2019-07-30 | Mit Horn Gott angehupt

Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen, auch wenn die Fahrt „nur“ nach Langeoog führt, wo die Turmflüsterin mit Horst und dessen Motorsegler eine Woche Urlaub im Yachthafen macht.

Sonntag gabs direkt vor dem Hafen einen Gottesdienst, und der begann mit einem Hupkonzert. Denn Minuten vor dem Beginn der ökumenischen Feier hechtete ein junger Mann von Schiff zu Schiff über die Stege und bat: Wenn gleich der Gottesdienst beginne, sollten, bitte, alle ihre Signalhörner tröten.

Horst und die Turmflüsterin waren in Gewissensnot. Einerseits hätte Horst gern sein funkelniegelneues Horn erschallen lassen und mit dessen Lautstärke jedem Ozeanriesen weit draußen einen Schrecken eingejagt, andererseits wollten wir natürlich Teil der Gottesdienst-Gemeinde sein.

Also überließen wir das Tröten den anderen und mischten uns unter einige Hundert Insulaner und Inselgäste. Gemeinsam und ökumenisch begannen alle den „Tag der Seenotretter“. Pünktlich um 11 Uhr toste ein Sturm durch Dutzende Signalhörner – passend zum Evangelium des Tages, in dem auch die Jünger in einen Sturm geraten. Und während ihnen der Schrecken vor dem blanken Hans in den kreidebleichen Gesichtern steht, schläft Jesus auf einem Kissen im Boot.

Einige Hundert Menschen waren zum Gottesdienst gekommen – das Bild zeigt nur einen Ausschnitt der „Bankreihen“.

Insel-Pastor Christian Neumann von der ev.-lutherischen Gemeinde schlug in seiner beeindruckenden Predigt einen Bogen von den Jüngern im schaukelnden Boot über Menschen in Seenot (wie Alt-Bundespräsident Gauck in der Vorwoche) bis hin zu Flüchtlingen. Sie ertrinken im Mittelmeer, auch weil Zeitgenossen im christlichen Abendland sich zwar gern gegen „Andersgläubige“ auf ihre christlichen Wurzeln berufen, sich christlich aber nicht verhalten wollen, wenn sie einsehen müssen, dass Wohlstand in Würde kein Weltrecht der Europäer ist.

Neumann predigte, und die Gemeinde hörte beinah gebannt die Botschaft – in dieser besonderen Atmosphäre unter freiem Himmel, der einst die Jünger im Sturm vor Angst schreien hörte, der Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken sieht oder auf Langeoog Urlauber erfreut.

Auch dank des SpontanChors der evangelisch-lutherischen Gemeinde erlebte die große Feier-Gesellschaft bei strahlend blauem Wetter einen Gottesdienst, den die Menschen so schnell nicht vergessen werden.

Alle gemeinsam sangen vom „Schiff, das sich Gemeinde nennt“ und zeigten, wie leicht Ökumene schwere Kost in frohe Botschaft wandeln kann,

sagt herzlich eure
Turmflüsterin

Segen ökumenisch – gespendet auf dem Steg von Insel-Pastor Christian Neumann von der ev.-lutherischen Gemeinde sowie von Bruder Thomas Abrell OFM, für einige Wochen katholischer Urlaubsseelsorger auf Langeoog.

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