2020-04-03 | Moni lässt rattern und braucht Gummi

Früher hieß das Zeug Gummilitze. Heute sagt man Hosengummi. Moni braucht es. Kaum hatten Horst und die Turmflüsterin unseren Haushalts-Vorrat zu ihr gebracht, saß Moni wieder ohne.

Moni lässt ihre Nähmaschine rund sechs Stunden am Tag rattern und wirft einen Corona-Mundschutz nach dem anderen aus. Die sozialpädagogische Fachkraft im Haus für Kinder und Familien von St. Ludgerus ist ein Kreativ-Talent. Es gibt kaum einen Gegenstand, den Monika Paege-Boss nicht zu höheren Weihen führen kann – sehr zur Freude der Kinder. Sie sehen in Monis Begleitung im Kita-Gärtchen Kräuter, Kartoffeln und Erbsen keimen, webern mit echten Schiffchen wollene Lappen für Schmusekissen und schaffen allerlei Schönes mehr.

Moni mit ihrer Mundschutz-Sammlung für ihre Kolleginnen – vom Automotiv über eine Coronaviren-Darstellung bis hin zur Weltkugel voller Kinder ist alles dabei. Die Teile links unten sind übrigens einem Oberhemd von Johannes E. entnommen, mit vermuteter Größe von XXL gut für viele Mundschutze.

Viele Aktivitäten werfen Stoffreste ab. Als die Belegschaft des Hauses für Kinder und Familien wegen der Corona-Pandemie nach Hause geschickt wurde, kramte Moni in ihrer Stoffkiste, setzte sich an die Nähmaschine und ließ unterm Nähfuß die Nadel tanzen. Heraus kamen lauter einmalige Mundschutze, alle bei 60 Grad gewaschen und heiß gebügelt. „Die sind für unser Team“, erzählt Moni. Sobald die Arbeit mit den Kindern wieder beginnt, sollen sie eingesetzt werden. „Denn momentan sind Schutzausrüstung wie Desinfektionsmittel, Handschuhe, Überschuhe und Mundschutz nicht zu bekommen“, sagt Einrichtungleiterin Tina Hardy.

Längst hat Moni einen Doppelsatz Mundschutze für ihre Kolleginnen fertig. Doch die Näherin vor dem Herrn fand den Ausstellknopf nicht. So rattert ihre Maschine weiterhin sechs Stunden am Tag und produziert unter Monis Händen ein kunterbuntes Teil nach dem anderen. Nur ein Umstand konnte Moni bremsen.

Materialmangel. Die Knappheit von K-Papier schert sie nicht, aber dass Pappkarten mit Hosengummis ausverkauft sind, ist für sie schwer erträglich. Die Gummis müssen an den Seiten der Schutze eingenäht und beim Tragen hinter die Ohren gespannt werden. Kurzum: Ohne Gummi ist die Maske nur ein Lappen.

Nach einem Handy-Hilferuf von Moni galoppierten Horst und die Turmflüsterin flugs mit ihren Rädern an die Brandenburger Straße 11 in Aurich und gaben vier Pappkarten mit Gummiresten ab. Moni strahlte, um wenige Stunden später ausgestrahlt zu simsen: „Nu is dat Hosengummi weer up!“ Ups!

Solches Gummi braucht Moni. Es darf nicht zu dünn sein, denn es muss eingenäht werden. Als „Verstärker“ überm Nasenflügel-Bereich setzt Moni übrigens Pfeifenreiniger ein.

Bleiben zwei Dinge zu klären. Erstens: Was macht Moni mit der beträchtlich wachsenden Zahl an Überhang-Mundschutzen? Sie verschenkt sie innerhalb von Neuauwiewitt.

Die Maschine rattert, und Pauline schnurrt.

Wer ein Unikat haben möchte, begibt sich zur Brandenburger Straße 11, stößt vor der Haustür auf eine Kiste mit „gummierter Nähware“ und entnimmt – bitte, bitte: in kleiner Menge – Masken für den persönlichen Gebrauch!

Zweitens: Weitere MoMus (Monikas Mundschutze) entstehen nur, wenn die Nadelfee Hosengummi hamstern kann. Wer hat, wirft es gern Moni in den Briefkasten oder gibt es im Pfarrbüro am Georgswall ab. Und noch etwas kann, vollkommen freiwillig, eingeworfen werden: eine klitzekleine Spende, die z.B. einem Fest für die Krippen- und Kiga-Kinder zugute kommen könnte,

sagt herzlich eure
Turmflüsterin

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