Gassenhauer zeigen Freitag in Kirche „Demenz“

Ein Märchen brachten die Gassenhauer 2017 auf die Bühne: Märchenhaft ist ihr neues Thema nicht, eher ernst und sperrig. Es geht um Demenz. Freitag geben sie eine Kurzvorstellung in der St.-Ludgerus-Kirche.

Die Jugendlichen trauen sich was! Und wie! Was sich rund um den Altar entwickelt, geht unter die Haut. Die Gassenhauer mimen demente Menschen, ihre Angehörigen und Pflegekräfte in Heimen.

Eigentlich sind die Dargestellten fast alle guten Willens, dennoch geraten sie an ihre Grenzen. Eine Betroffene erlebt, wie sie dement wird und andere ihr die Vergesslichkeit vorführen. Sie ruft: „Woher kommt das denn? Das war doch früher nicht so!“

Ein Familienmitglied schreit ins Publikum: „… denkt die Demenz eigentlich an die Angehörigen?“

Beeindruckend ist der Sprechchor der jungen Akteure, in dem sich die Verzweiflung der Betroffenen, ihrer Familien und der Pflegekräfte bündelt. Ein Satz schält sich heraus, der sie verbindet: „Ich kann nicht mehr!“

Einige der jugendlichen Gassenhauer bei einer Probe in der St.-Ludgerus-Kirche.

Über der Zeit, verbittert, müde und ausgelaugt…

Alt, wütend und dennoch würdig – „Alter“ unterwegs mit Krücke.

Sie ist dement, er ist ihr Mann und hat sie gepflegt, aber sie kennt ihn nicht mehr. Er trauert – mit einem ergreifenden Lied, das er live singt.

Die Kirche – für das Thema ein beeindruckender Ort.

Natürlich darf es wie immer bei den Gassenhauern auch lustig sein.

Ein Witz über Demenz gefällig? Die Gassenhauer bringen ihn auf die „Bühne“. Und es darf – gern mit einem kleinen Schaudern – gelacht werden.

Denn nie wird die Würde dementer Menschen verletzt. Rund um den Altar sind sie gespielt alt, wütend und – würdig.

Die eigentliche Aufführung in voller Länge und Bedeutung findet im September statt (ausführlicher Bericht folgt rechtzeitig; mit dabei sind im September auch mimende Erwachsene aus St. Ludgerus Aurich).

Zu erleben ist bei freiem Eintritt am kommenden Freitag, 1. Juni, 18 Uhr, in der St.-Ludgerus-Kirche eine Kurzfassung, also eine Art Trailer – und zwar im Rahmen der Kulturreihe „Quer-Köpfe“.

Der Arbeitstitel: „Herr de Menz kommt zu Besuch.“ Diskussionsstoff ist garantiert.

Text und Fotos: Delia Evers

Ohne sie läuft nichts: Isburga Dietrich und Dr. Elke Warmuth. Sie verfolgten das Geschehen vom hinteren Kirchenraum aus und gaben von dort wichtige Hinweise.

Das musste zwischendurch auch eben sein: Isburga hatte ein paar Tage vor der Probe Geburtstag gehabt und bekam von Elke eine Erdbeerpflanze geschenkt. Die Jugendlichen gratulierten mit einem Ständchen.

Sie sind wieder mit dabei: Theaterpädagoge Claus Gosmann und Musiker Jann Janssen.

Szenen, die unter die Haut gehen. Eine demente Frau wird von ihren – personifizierten – Ängsten und Verzweiflungen umringt.

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