14.01.22 | Sonntagsgruß aus dem Pfarrhaus

„Der letzte Karton ist ausgepackt!“, sage ich. „Endlich angekommen!“, denke ich. Sechs
Tage später brauche ich eine Blumenvase
und eine Tortenplatte. Ich suche in allen
Schränken.

„Ich weiß, dass wir beides haben, ich weiß nur nicht wo“, sage ich. „Doch noch nicht angekommen“, denke ich.

„Toll, dass das Auto umgemeldet ist!“ Stolz präsentiere ich das Kennzeichen von hier. „Endlich angekommen!“, denke ich. Fünf Tage später geht es um eine Wegbeschreibung. Du musst da und da lang fahren. Bekannte Straßennamen fallen, mit denen jeder und jede hier etwas anfangen kann. „Ich werde es schon finden“, sage ich. „Dank Navi“ und „Doch noch nicht angekommen!“, denke ich.

„Gut, dass es jetzt losgeht und wir uns treffen können!“, sage ich bei der ersten Sitzung eines Ausschusses. „Endlich angekommen!“, denke ich. In der Dynamik der Sitzung fallen Namen und Gruppen, die offensichtlich bekannt sind. Nur ich habe sie noch nie gehört. „?“ und „Doch noch nicht angekommen!“, denke ich.

An diesem Wochenende beginnen die ersten Willkommensgottesdienste: Samstag (15.1.) in Neustadtgödens, Sonntag (16.1.) in Aurich, später in Wiesmoor (23.1.) und Wittmund (30.1.). „Mit den ersten Gottesdiensten geht’s nun wirklich los!“, sage ich. „Endlich angekommen!“, denke ich.

Das Muster ist ersichtlich: Auch hier werde ich mich wieder einmal irren. Gerade in Corona-Zeiten ist die Gottesdienstgemeinde sehr geschrumpft, aus völlig verständlichen und nachvollziehbaren Gründen. Also werde ich auch hier nicht die Gemeinde antreffen. Und überhaupt: Was ist eigentlich die Gemeinde? Dazu gehört die Gottesdienstgemeinde, klar. Aber nicht nur. Die Gemeinde derer, die sich in Gruppen und Gremien treffen, gehört dazu und diejenigen, die Zuhause beten. Ebenso wie die, die in Nachbarschaften und Freundeskreisen das Leben teilen, sich umeinander sorgen und kümmern. Genauso wie die, die der offiziellen Gemeinde eher fernstehen, aber (noch) nicht aus der Kirche ausgetreten sind. Mit ihrer Unterstützung durch die Kirchensteuer finanzieren sie, was wir vor Ort tun. Und viele mehr. „Die Gemeinde ist bunt, vielfältig und alles andere als einseitig“, sage ich. „Ob ich jemals alle kennenlernen und ankommen werde?“, denke ich.

Es gibt wohl auch nicht das Ankommen. Viele kleine und große Schritte, viele beiläufige und bedeutsame Begegnungen, nachhaltige und flüchtige Aktionen und Vieles mehr gehört dazu. Fragt mich jemand, ob ich schon angekommen sei, antworte ich mittlerweile: „Ich bin im Ankommen!“ Es ist eben ein Prozess, der aus vielen kleinen Puzzleteilen besteht. Geht so nicht auch das Leben? Wann kennt man jemanden wirklich? Wer hat diesen Schicksalsschlag kommen sehen? Wo bin ich mal wirklich angekommen? Eine neue Aufgabe hat viel mit dem Leben zu tun. „Bist du schon angekommen?“, frage ich mich. „Vielleicht noch nicht in allen Aufgaben, im Leben aber allemal“, denke ich.

Ich freue mich auf den vor uns liegenden Weg und grüße herzlich aus dem Pfarrhaus in Aurich!

Andreas Robben

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