Teil 5 | Chronik von St. Ludgerus Aurich – Ortsgeschichte 2

Im fünften Teil unserer Serie zur Chronik von St. Ludgerus Aurich befasst sich Autor Manfred Franz Albrecht aus Sicht des Jahres 1999 u.a. mit der NS-Zeit und ihren Auswirkungen auch auf das kath. Leben in der Gemeinde.

Leid kam mit der „Machtergreifung“ der NSDAP (1933) über Volk und Kirchengemeinde durch die stetig wachsende Bedrückung der menschenverachtenden und kirchenfeindlichen Regierung. Das Vereinsleben kam zum Erliegen, die Kath. Schule mußte 1937 geschlossen werden, Priester und Gläubige sahen sich wachsenden Anfeindungen und immer unerträglicher werdendem Gewissenszwang ausgesetzt. Zum zweiten Mal hatten die Menschen die Last eines furchtbaren Weltkrieges (1939 – 1945) zu tragen, dieses Mal ungleich tiefer einschneidend in das persönliche und kirchliche Leben des Einzelnen und der Gesamtheit. Eine nicht geringe Zahl von Mitgliedern der Pfarrfamilie fiel dem mörderischen Krieg zum Opfer.

Zum 1. Juni 1940 wurde Pastor Joseph Rickermann zum Pfarrer von Hunteburg ernannt. Pastor Clemens Riedemann in Vinnen wurde mit der Kuratie Aurich betraut, lehnte aber die Stelle ab. So er¬folgte am 2. Juli 1940 die Ernennung des Vikars in Bersenbrück, Joseph Lammers, zum Pastor der Missionsgemeinde St. Ludgerus in Aurich.

Im Herbst 1940 bekam die Kirche eine Zentralheizung. Am 30. Januar 1942 wurde die F-Glocke, die am 16. Oktober 1929 benediciert worden war, und die zum 80. Kirchweihfest zum erstenmal die Gemeinde zum Gottesdienst gerufen hatte, von den Nationalsozialisten beschlagnahmt. Am 5. Dezember 1942 trat Maria Kleine aus Osnabrück als erste Pfarrhelferin in Aurich ihren Dienst an. Sie erwarb am 18. Mai 1944 die Missio canonica. Maria Kleine lebt heute hochbetagt in Letmathe (wie die gesamte Chronik: Stand 1999).

Ludgerus-Kirche mit erstem Pfarrhaus um 1908.

Am 8. Dezember 1942 wurden die Fenster der Kirche und des Pfarrhauses durch Bomben zerstört, die in einiger Entfernung von der Kirche fielen.

Bei einem Bombenangriff am 27. September 1943 fielen auf der Lindenstraße zwei schwere Sprengbomben, die abermals die Fenster von Kirche und Pfarrhaus sowie die Dächer stark beschädigten. Die Stadt Aurich hatte bei diesem Bomberangriff 13 Tote und mehrere Verletzte zu beklagen.

Im September 1944 kamen nach einem Großangriff auf Emden mehrere ausgebombte Emder Familien nach Aurich.

Die St. Ludgerusgemeinde konnte nunmehr beweisen, daß sie es ernst meinte mit dem Leitwort des Kirchenjahres 1943/44: „Gottesdienst ist Dienst am Nächsten“. Ein Bericht aus der Chronik vom Osterfest 1945 gibt die Stimmung in der Gemeinde kurz vor Ende des NS-Staates trefflich wieder:

Kirche 1909.

„Während der Festtage hatten sich unsere Soldaten wieder treu, trotz vieler Schwierigkeiten, an den Gottesdiensten beteiligt. Anschließend gab es immer eine frohe Runde im Pfarrhaus. Manche prächtigen jungen Menschen durften wir kennenlernen. Immer blieben sie, bis es hohe Zeit wurde für die Rückkehr in die Kaserne. Bis in die letzten Kriegstage hinein kamen sie unter großen Opfern zum Gottesdienst. Trotz der schwierigen Lage – die Front rückte immer mehr in unser Vaterland hinein, kein Tag, keine Nacht ohne Fliegeralarm, Erschwernisse durch Maßnahmen der NSDAP – war es ein frohes und schönes Arbeiten in unserer Pfarrgemeinde. Immer wieder hieß es, wie herrlich muß das Arbeiten erst sein, wenn dieser „Schwindel“ vorbei ist, und man sich nicht mehr zu fürchten braucht vor den Spitzeln der Partei.“

Kirche und erstes Pfarrhaus aus anderer Perspektive.

In der Nacht vom 3. zum 4. Mai 1945 wurden Kirche und Pfarrhaus durch zwei Bomben, die wenige Meter entfernt gefallen waren, stark beschädigt. „Arg sah der Greuel der Verwüstung aus! Mancher Eimer Schutt mußte geschleppt werden, doch das Gotteshaus stand noch“, berichtet der Chronist. Aber der Marienaltar war zerstört, die Orgel stark beschädigt, das übrige Inventar der Kirche blieb indes weitgehend unbeschädigt. Endlich, am 8./9. Mai 1945, wurde der Waffenstillstand erklärt, die Nationalsozialisten hatten bedingungslos kapituliert.

Mit dem Ende des II. Weltkrieges begann für die St. Ludgerusgemeinde ein Kapitel ihrer Geschichte, das Menno Smidt als „die bedeutendste Aufgabe für die Katholische Kirche in Ostfriesland seit der Reformation“ bezeichnet: Der Strom zunächst der Flüchtlinge, dann der Heimatvertriebenen aus den östlichen Provinzen des Deutschen Reiches nach Ostfriesland. Bereits 1945 kamen Flüchtlinge aus Pommern und Ostpreußen nach Ostfriesland. Die „Flüchtlinge“, die durch Flucht die angestammten Siedlungsgebiete verlassen hatten, wurden ebenfalls zu „Vertriebenen“, da ihnen eine Rückkehr nicht mehr gestattet wurde. Im März und April 1946 kamen mit der „Aktion Schwalbe“ in 25 Transporten 35.000 Heimatvertriebene in Aurich an (7.000 Männer, 17.000 Frauen, 11.000 Kinder): Dorfgemeinschaften mit ihren Priestern, Familien, Alte, Kranke und Sterbende, Findelkinder ohne Namen, Waisenkinder, die, zum Teil aus Westdeutschland stammend, in der Zeit der Kinderlandverschickung nach Schlesien ihre Eltern durch Bombenangriffe in der Heimat verloren hatten.

Auf dieser Aufnahme, entstanden um 1910, ist vor der Kirche noch der Graben zu ahnen, der später zugeschüttet wurde.

Alle Transporte trafen auf dem Auricher Reichsbahnhof ein, wurden unter Betreuung des Roten Kreuzes und der Caritas ausgeladen und durch das berüchtigte Barackenlager auf dem Ellernfeld – Elendsfeld genannt – geschleust, d.h., die Menschen wurden entlaust, registriert, untersucht und nach einiger Zeit auf die Dörfer des Regierungsbezirkes Aurich verteilt. Durch die von Haus und Hof vertriebenen, im bittersten materiellen und seelischen Elend lebenden Menschen wuchs 1946 die St. Ludgerusgemeinde von 280 auf 4.774 Mitglieder an.

Statt des bisherigen einen Geistlichen konnten acht Priester – nicht zuletzt wegen der langen Wege und schlechten Wegverhältnisse – kaum die Fülle der ihnen zufallenden seelsorglichen Arbeit bewältigen. Neben Aurich wurden im Jahr 1946 in Westerende-Kirchloog, Boekzetelerfehn, Spetzerfehn und Viktorbur Seelsorgestationen mit je einem Geistlichen eingerichtet, um die Katholiken der umliegenden Ortschaften zu betreuen. Die Kinder der vielen kath. Familien wurden durch Geistliche und Pfarrhelfer in Seelsorgestunden erfaßt, um wenigstens die notwendigste religiöse Unterweisung zu erhalten.

Der Gottesdienst wurde auf dem Lande überwiegend in evangelischen Kirchen, die in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt wurden, und in Schulen gehalten. Als zum erstenmal nach dem II. Weltkrieg der Osnabrücker Bischof, Herr Dr. Wilhelm Berning, am 17. Juli 1947 in der St. Ludgerusgemeinde das Sakrament der Hl. Firmung spendete, war unsere Kirche wegen der großen Teilnehmerzahl zu klein; durch das freundliche Entgegenkommen der evangelischen Lambertigemeinde in Aurich konnte der Firmgottesdienst in der ev.-luth. Lambertikirche stattfinden.

Im Oktober 1946 faßte der Kirchenvorstand den Beschluß, das Kirchengebäude zu renovieren und durch Umgestaltung zu erweitern. Der Chronist berichtet:
„Um die Kirche im Rahmen der Möglichkeiten zu vergrößern, wurde die vorhandene Treppe zur Empore entfernt und eine neue gewendelte Treppe eingebaut mit direktem Zugang vom Windfangraum des Portalbaues. Der Windfang wurde nach vorne verlegt. Die Beichtkapelle auf der rechten Seite blieb bestehen. Die Taufkapelle auf der linken Seite wurde vergrößert; der Taufstein fand seine Aufstellung unter der Treppe. Gleichzeitig erhielt die Orgelempore eine neue Form.“

Die Umgestaltung und Renovierung war bis zum Christkönigsfest am 26. Oktober 1947 abgeschlossen. Offensichtlich wurden im Rahmen dieser Baumaßnahme die Heiligenstatuen aus der Kirche entfernt. Die Kanzel ist vom ersten Drittel der linken Außenwand nach links vor den Apsisbogen, versetzt worden, dorthin, wo sich heute der Marienaltar befindet. An Stelle des alten klassizistischen Altars trat ein einfacher, schlichter Opfertisch mit dem Christusmonogramm. Über dem Altar ragte ein schmuckloses, wuchtiges Holzkreuz – ohne Korpus – empor. An der Tür zur Sakristei hängt seit dieser Zeit eine kleine Zinnglocke , mit der der Beginn des Gottesdienstes angekündigt wird. Ferner wurde die Kirche neu ausgemalt, über dem Bogen zur Apsis stand:

HERR HIER IST GUT SEIN.

Herr hier ist gut sein. Kirche mit umgestaltetem Altar 1946.

Pastor Joseph Lammers, der im Frühjahr 1945 schwer erkrankte, übernahm erst wieder im August 1947 die Gemeindeleitung. Pfarrverweser waren in der Zeit der Abwesenheit von Pastor Lammers die Kapläne Max Lüning (20. Mai 1945 – 18. März 1946) und Leo Christoph (19. März 1946 – August 1947).

Die durch die Währungsreform (1948) sichtbar gewordene furchtbare Armut der Gemeinde stellte aller seelsorglichen und karitativen Arbeit größte Hindernisse entgegen. Das Zusammenleben in der durch den Zustrom der Heimatvertriebenen um ein Vielfaches gewachsenen St. Ludgerusgemeinde war anfangs nicht spannungsfrei. Alleine schon die Art und Weise der Feier der hl. Messe, auf der einen Seite die leicht unterkühlte norddeutsche Art, auf der anderen Seite die barocke gefühlsbetonte Art der Schlesier, forderte von allen eine Neuorientierung. Dennoch haben einheimische und neuhinzuge-kommene Angehörige der St. Ludgerusgemeinde, die einig und in christlichem Geiste miteinander lebten, mit ihren Priestern alle Aufgaben gemeistert. Hervorzuheben ist, daß von den Heimatvertriebenen wertvolle Impulse für das Gemeindeleben ausgingen.

Kurz vor dem 100-jährigen Jubiläum fand Ende September 1949 die feierliche Einweihung der wiederhergestellten Orgel statt. Die Mittel für die Orgelinstandsetzung sind zum größten Teil durch die Sammelfreudigkeit der Auricher Geistlichen in wirtschaftlich besser gestellten Gemeinden der Osnabrücker Diözese zusammengebracht worden. Auch war der neue Tabernakel mit der Inschrift: „CARITATE PERPETUA DILEXI TE“ (Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt!) auf dem Altar angebracht worden.

Am 23. Oktober 1949 feierte die kath. Kirchengemeinde Aurich unter großer Anteilnahme aller Auricher ihr 100jähriges Bestehen. Glückwünsche überbrachten der Landessuperintendent Büssing, der Präsident der Ostfriesischen Landschaft J. Berghaus, Regierungs- und Schulrat Bibow als Vertreter des Regierungspräsidenten, Landrat Knippert und Bürgermeister von Schleusen. Das Schlußwort hatte der Bischof von Osnabrück, Herr Dr. Wilhelm Berning.

Dr. J. König schrieb damals in der Festschrift zum Kirchenjubiläum: „Die Geschichte der Gemeinde wird alle Mitglieder der Pfarrfamilie erkennen lassen, daß böse Tage stets wieder guten Tagen gewichen sind, und daß der hl. Ludgerus stets seine schützende Hand über die seiner Obhut sich anvertrauende Gemeinde gehalten hat. Denn in all unserer Armut und Not sind wir doch reicher als die Katholiken, die vor der Gründung der Gemeinde im Jahre 1849 eines Priesters und einer Kirche entbehren und jahrzehntelang um religiöse Betreuung ringen mußten. Nichts kann uns für die Zukunft mehr mit Zuversicht erfüllen als das Gotteshaus in unserer Mitte, über dessen Altarraum der beglückende Satz steht: „HERR HIER IST GUT SEIN“.

Das Jahr 1951 brachte der Kirche für die im Kriege beschlagnahmte Glocke als „Leihgabe“ zwei Glocken aus den verlorenen Ostgebieten. Der 6. Juli 1952 war ein „Meilenstein“ in der Diasporaseelsorge in Aurich, denn ab diesem Zeitpunkt wurden die Gläubigen aus den weitverstreuten Dörfern regelmäßig mit Bussen zur Pfarrkirche abgeholt. Jeder sollte am Sonntag seine Pfarrkirche besuchen können! Nach dem Leitwort: „Einer trage des anderen Last“ wurde dies durch die Opferbereitschaft der Gemeinde ermöglicht.

Von Aurich aus wurden betreut:
Tannenhausen, Sandhorst (Krankenhaus), Plaggenburg, Weene,
Holtrop, Middels, Westgroßefehn, Haxtum (Altersheim),
Ogenbargen (Altersheim), Lübbertsfehn, Brockzetel, Wallinghausen,
Spekendorf, Wiesens, Aurich-Oldendorf, Kirchdorf,
Popens, Egels, Walle, Pfalzdorf,
Langefeld, Schirum, Extum, Akelsbarg,
Felde, Westersander, Ostersander, Auricher Wiesmoor I,II

Die nach dem Krieg gegründeten Seelsorgestationen haben nur eine kurze Zeit bestanden, weil viele Flüchtlinge und Vertriebene in andere Bundesländer abwanderten, vor allem nach Nordrhein-Westfa-len, wo Arbeitsplätze besser zu erlangen waren. 1952 lebten in der St. Ludgerusgemeinde 2.500 Katholiken.

Die Seelsorgestation Spetzerfehn betreute die Katholiken in: Ostgroßefehn, Mittegroßefehn, Strack-holt,Voßbarg, Bagband, Ulbargen und Wilhelmsfehn; sie wurde am 24. Juli 1953 aufgelöst.

Der Bezirk der Seelsorgestation Westerende-Kirchloog umfaßte: Ochtelbur, Riepe, Simonswolde, Ihlowerfehn, Barstede, Rahe, Bangstede und Ihlowerhörn; dieser Bezirk wurde am 7. Oktober 1952 aufgehoben.

Kirche der Seelsorgestation Westerende-Kirchloog 1947.

Zur Seelsorgestation Boekzetelerfehn gehörten die Orte: Jheringsfehn, Warsingsfehn, Neuefehn, Hats-hausen, Ayenwolde und Timmel. Diese Station bestand bis zum 19. März 1953.

Die Seelsorgestation Viktorbur war zuständig für: Engerhafe, Moorhusen, Oldeborg, Münkeboe, A-belitz, Theene, Wiegboldsbur, Bedekaspel, Forlitz-Blaukirchen und Moordorf. Diese Regelung hatte Bestand bis zum 20. Juli 1950. Dann wurde ein Teil dieses Bezirkes von der Seelsorgestation Marien-hafe übernommen, die zur Pfarrei Norden gehörte, der andere Teil fiel an Aurich. Von Dezember 1956 an wurden auch die Gebiete der Seelsorgestation Marienhafe von Aurich aus mitbetreut.

Geistliche der Seelsorgestationen waren in

Spetzerfehn: Alois Beschorner (3. März 1946 – 30. Januar 1948),
Josef Brands (30. Januar 1948 – 24. Juli 1953),

Westerende-Kirchloog: Adolf Langer (1. März 1946 – 1. August 1946),
Georg Kricke (2. Juni 1946 – 1. August 1949),
Anton Gerdes (1. August 1949 – 27. August 1952),

Boekzetelerfehn: Wilhelm Hattwig (7. Oktober 1946 – 19. März 1952),

Viktorbur: Bruno Thomas (6. Mai 1946 – 2. Juli 1950).

Das im Jahre 1849 auf dem Kirchengrundstück links vor der Kirche erbaute Pastorat war nicht zuletzt durch die Beschädigung im II. Weltkrieg so baufällig, daß es im Winter 1954 abgerissen werden mußte. Der Kirchenvorstand hatte 1953 das Nachbargrundstück – heutige Schwesternstation – erworben, auf dem 1948 ein einstöckiges Haus errichtet worden war. Nach dem Ausbau des Dachgeschosses bezogen Pastor Josef Lammers und Kaplan Bruno Neuwinger dieses Haus am 28. November 1954, das fortan bis 1978 als Pfarrhaus diente.

Pfarrhaus von 1849 beim Abbruch 1954.

Nach 97 Jahren wurde die Kuratie Aurich am 1. April 1955 zur Pfarrei erhoben. Pfarrer Joseph Lammers wurde 1956 zum Dechanten des Dekanats Ostfriesland ernannt. Im Protokollbuch des Kirchenvorstandes ist am 3. April 1955 zu lesen: „Da die kath. Kirchengemeinde schon seit mehr als 100 Jahren ein Gotteshaus besitzt, aber noch keinen konsekrierten Altar, so wird beschlossen, baldmöglichst zu einem diesbezüglichen Ausbau der Kirche zu schreiten.“ Im Juni 1956 wurde die Kirche renoviert und mit neuem Kirchengestühl ausgestattet. Die 1954 angeschaffte handgeschnitzte Madonna, die auf der rechten Seite stand, wurde nach links vor den Apsisbogen versetzt, dorthin, wo sie heute noch steht. Die Kanzel, die dort ihren Platz hatte, wurde entfernt. Dann bekam die Kirche auch einen neuen Altar. An der Abschlußwand des Chores hängt seitdem ein großes Kruzifix. Der Sandstein-Altar wurde am 18. Oktober 1957, anläßlich der Firmung in Aurich, durch den Bischof von Osnabrück, Herrn Dr. Helmut Herrmann Wittler, konsekriert.

Am 20. September 1959 wurde in der Abtei Werden eine Reliquie der Hand des hl. Ludgerus entnommen und durch den Osnabrücker Weihbischof, Herrn Johannes Albert von Rudloff, feierlich nach Aurich gebracht. Die Predigt im Hochamt hielt Dechant Jungmann aus Essen-Werden. Das Reliquiar ist als stilisierte Hand gearbeitet und wird für alle sichtbar im Altar, unter der Mensa, aufbewahrt.

Da Aurich 1959 wieder eine Garnison bekam, wurden im Kirchenvorstand Pläne zur Vergrößerung der St. Ludgeruskirche bzw. zum Neubau einer kath. Kirche in Sandhorst erörtert. In 1960/61 fanden Besprechungen mit dem Militärbischofsamt in Bonn und dem Generalvikariat in Osnabrück statt. Die Erweiterung bzw. ein Neubau der St. Ludgeruskirche wurde erörtert; der Plan, eine zweite kath. Kirche in Sandhorst zu errichten, wurde fallengelassen. Die Architekten H. u. J. Feldwisch-Drentrup aus Osnab-rück haben 1962 detaillierte Entwürfe für den Neubau der Kirche vorgelegt, die bauaufsichtlichen Genehmigungen wurden eingeholt. Doch Anfang November 1962 wurde das Projekt aus finanziellen Gründen aufgegeben.

Entwurf für den Neubau der Kirche von 1962.

1964 erhielt die Kirche einen neuen Innenanstrich, über dem Bogen zur Apsis stand damals:

HERR SENDE MICH ICH BIN BEREIT.

In 1966 standen die Zeichen in der St. Ludgerusgemeinde auf Sturm. Es tobte – typisch für die 60er Jahre – der Generationskonflikt zwischen dem allseits geachteten Dechant Josef Lammers, an seiner Seite die Pfarrhelferin Maria Kleine, und dem Kaplan Hubert Wessels, der als junger kath. Geistlicher neue Wege beschritt, und hinter dem die Jugend fast geschlossen stand. Die Wogen gingen hoch, die Gemeinde war gespalten, der Konflikt wurde öffentlich ausgetragen. Erst durch das Eingreifen des Bischöflichen Stuhles wurde der Streit beendet. Kaplan Hubert Wessels wurde am 1. Oktober 1966 nach Osnabrück versetzt.

Teil 1 | Chronik von St. Ludgerus Aurich – der Patron
Teil 2 | Chronik von St. Ludgerus Aurich – Vorgeschichte 1
Teil 3 | Chronik von St. Ludgerus Aurich – Vorgeschichte 2
Teil 4 | Chronik von St. Ludgerus Aurich Ortsgeschichte 1 Jahre 1632 bis 1930

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